
Kyrillische Schriftzeichen lernen, bevor die Reise nach Russland los geht? Wer braucht das schon. Russisch? Nee. Das geht auch ohne. Den Beweis dafür wollte ich auf meinem ersten Trip zum Supermarkt gleich mal antreten. Ein Kinderspiel. Schliesslich ist man ja Street Smart.
Auf jeden Fall brauchen wir Milch. Denn ohne schmeckt der Kaffee am Morgen nur halb so gut. Und da war sie schon, die gute Milch. 1% Fettgehalt. Ja klar, man will ja auch auf die Linie achten. Bezahlt, raus aus dem Supermarkt und rauf in die Wohnung. Die kleine Bialetti auf den Gasherd gestellt, das liebenswerte Gurgelgeräusch ist schon bald gut zu hören und der Espresso ist so gut wie fertig. Dazu ein Tröpfchen Milch. Ja nicht zu viel, denn der Espresso soll ja stark und heiss bleiben. Doch WTF. Der Kaffee gerinnt . Hab ich das Verfallsdatum der Milch nicht genau angeschaut? Doch, haltbar bis Ende September. Ein Blick auf den Schriftzug. Was steht da genau drauf? Kefir. Mann – Wie dumm bin ich denn? Kefir, die Sauermilch, die aus Russlands Nordkaukasus-Region stammt. Toll. Wird wohl nicht das letzte Lehrgeld gewesen sein.
Ich weiss gar nicht, ob ich darauf stolz sein soll oder ob ich mich hier lieber aus dem Staub machen sollte. Doch der Reihe nach. Es hatte alles so gut angefangen. Die Sonne scheint über Moskau, die Luft riecht nach Abenteuer, die Strasse lacht mich an und das erste Vortasten unter Balalaikaklängen, Wodkaflaschen und einer wohl tuenden Gemächlichkeit tut so richtig gut.
“Veränderte Distanz von der Heimat verändert das innere Mass”. Jaja, schon gut, das ist natürlich nicht von mir, sondern von Stefan Zweig. Trotzdem setz ich nochmal einen drauf, einfacher aber keineswegs trivialer: