12 in 12 – Marcello Geppetti und das Dolce Vita

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Ein Monat in Rom könnte nicht besser beginnen, als mit einer Ausstellung von Marcello Geppetti, einem der der grössten italienischen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Keiner brachte  das Lebensgefühl des Dolce Vita so gut rüber wie der Maestro. Nicht wenige behaupten, er war der erste gute Paparazzi (und damit vielleicht auch der letzte). Ob die Fotos einer furiosen Anita Ekberg,  Sofia Loren im Zwiegespräch mit Vittorio de Sica oder den ersten Kuss zwischen Richard Burton und Elisabeth Taylor: der beste Schnappschuss gelang immer Geppetti. In der Dolce Vita Gallery an der Via Palermo 41 kann man die Fotos in Übergrösse bewundern und ganz tief in die Zeit des grossen italienischen Films eintauchen.

Sophia Loren und Vittoria de Sica
Sofia Loren und Vittorio de Sica

Was war das für eine Zeit. Mit La Dolce Vita von Frederico Fellini begann 1960 der Abschnitt der Grenzüberschreitungen auf der Suche nach neuen Sujets, Formen und Genres. Man begründete den erweiterten Realismus, einen undogmatischen Erzählstil, sowie einen Surrealismus, der Traum und Fantastik wie selbstverständlich in die Darstellung mit einschloss.

Audrey Hepburn in Rom beim einkaufen
Audrey Hepburn in Rom beim einkaufen

Zudem entwickelte sich eine bittere gesellschaftliche Satire. Dazu kamen neue Genres wie der Politthriller und der Italo-Western: ein Jahrzehnt der Aufbrüche in neue Dimensionen. Von Federico Fellini bis Michelangelo Antonioni, von Luchino Visconti bis Pier Paolo Pasolini, von Pietro Germi bis Francesco Rosi, von Sergio Leone bis Bernardo Bertolucci – all das waren grosse Meister ihres Fachs und machten Italien für rund eine Dekade zum Mittelpunkt der Filmwelt – und Geppetti war immer mitten drin.
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Eines der coolsten Bilder von Geppetti ist jenes, in dem ein Priester, der gerade beim turteln mit einer Frau erwischt wurde, dem Paparazzi hinterherläuft und versucht, die Kamera aus der Hand zu reissen, um die Negative sicher zu stellen. Geppetti ist zur Stelle und hält die Situation für die Ewigkeit fest.

12 in 12 – Cinema Farnese

Cinema Farnese
Ein Fall für Alfredo Conte

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Kapitel 1

Es war bereits nach Mitternacht, als das Telefon klingelte. Wie fast jeden Abend sass Inspektor Alfredo Conte noch in seinem kleinen Büro an der Piazza della Trinita dei Pellegrini mitten im Centro Storico von Rom. Seit über 20 Jahren war Conti für das Quartier rund um den Campo de’ Fiori zuständig. Er war mit allen Wassern gewaschen. Ein kauziger aber liebenswerter Typ. Sein hellbeiges Hemd, die dichten, gewellten schwarzen Haare und der buschige Schnurrbart waren sein Markenzeichen.

Der Inspektor nahm den Hörer ab. Es war Roberto Ginelli, der Geschäftsführer des Forno Campo de’ Fiori, der wohl besten Bäckerei der ganzen Stadt. Ihn kannte Conte gut, da er sich bei ihm jeden Mittag sein grosses Stück Pizza Rosso abholte. Roberto war ausser sich. Er müsse sofort kommen, sagte er. Schüsse habe er gehört und zwar im Cinema Farnese. Nein, reinzugehen habe er sich nicht getraut, obschon die Eingangstür sperrangelweit offen stehe.

Conte legte den Hörer auf. Mit seinem karierten Jacket unter dem Arm machte er sich auf den Weg. Das Cinema Farnese war gerade mal 100 Meter von seiner Polizeiwache entfernt. Er kannte den alten Giuliano Novelli, der das in den dreissiger Jahren gegründete Kino führte, gut. Noch gestern hatte er ihn gesehen, als er seine Pizza bei Roberto abgeholt hatte und über den Campo zur Polizeiwache zurückging. Die Tür stand tatsächlich weit auf. Roberto war nicht zu sehen. Conte verlor keine Zeit und trat gleich ein. Seine kleine Beretta hatte er wie immer in der Innentasche seines gestreiften Jackets, das er mittlerweile übergestreift hatte.

Er wusste, dass Giuliano in der Regel der Letzte war, der das Kino nach der Abendvorstellung verliess. „Roberto“ rief Conte. Keine Antwort.. Es war still. Totenstill und dunkel. Der Lichtschalter im Foyer schien nicht zu funktionieren. Das von aussen unscheinbare Kino hat einen Saal mit 300 Plätzen – auch dort stand die Tür offen. Conte trat in den Saal. Er hatte mittlerweile seine kleine Taschenlampe angeknipst. In der ersten Reihe schien sich was zu bewegen. „Halt“ schrie er, rannte den Gang entlang Richtung Leinwand und richtete den Lichtstrahl auf die roten Plüschsitze. Es war Giuliano. Regungslos sass er in der ersten Reihe und starrte Richtung Leinwand. Das Blut lief von seiner Schläfe herunter und tropfte auf den Boden. Kein Puls. Giuliano war tot.

12 in 12 – Das Städterating für Moskau

Das ist der letzte Eintrag aus Moskau. Der Moment, die Stadt zu bewerten, ist gekommen.

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Ein Monat ist nicht viel Zeit, doch genug, um einen Eindruck zu gewinnen, wie eine Stadt tickt. Deshalb haben wir ein Städterating erarbeitet, das sich von den gängigen Modellen der Mercers dieser Welt unterscheidet. Wir achten weniger auf das Bildungssystem, das politische Umfeld und das Gesundheitssystem, sondern mehr auf Faktoren, die eine Stadt einzigartig machen. Das Rating in neun Kategorien geht von 1 (schlecht) bis 10 (grandios) und spiegelt unser rein subjektives Empfinden:

Die Leute: 6

Die Moskauer sind sehr nett, gehen allerdings selten auf einen zu.

Kulturelles Angebot: 7

Wenn die Sprachbarriere nicht wäre, dann wäre das Rating noch höher – aber eben, subjektiv ist die Bewertung. Die unzähligen Theater an jeder Ecke blieben uns leider mehrheitlich verschlossen. Doch sonst gibt es ein fast grenzenloses Angebot, das erfrischend anders ist, als irgendwo sonst auf der Welt.  Gleichzeitig ist Moskau aber auch international und relevant.  Besonders die klassische Musik gehört hier zur DNA der Stadt.

Food: 7

Die kreative Gastroszene in Moskau war die grosse positive Überraschung. Wir werden die unendlichen Möglichkeiten vermissen.

Preisniveau: 9

Moskau eilt der Ruf einer teuren Stadt voraus. Keine Ahnung warum. Nicht nur wegen der Rubelkrise ist hier alle billig – teilweise gar spottbillig.

Öffentlicher Verkehr: 8

Die Metro in Moskau schlägt sie alle. Alle 2 Minuten ein Zug und das in jede Richtung. Zudem gibt es Uber, Taxis, Busse und alles andere, was man sich so wünscht. Der Verkehr auf der Strasse ist dicht, doch nicht so schlimm wie der Ruf, der ihm vorauseilt. Zudem beeindruckt Moskau mit Fahrradstationen an jeder Ecke.

Wetter/Klima: 4

Wir hatten Glück, da wir im Spätsommer hier waren. Das war toll. Doch der Winter kündigt sich bereits an und der wird hart – hammerhart.

Sicherheit: 9

Die sicherste Stadt, in der wir je waren.

Fun / Feel-Good-Factor: 8

Wir haben uns hier pudelwohl gefühlt und sehr viel Spass gehabt.

Coolness/Kreativität: 7

Sehr viel modische und progressive Leute. Hat uns sehr positiv überrascht.

GESAMTRATING: 65 VON 90 PUNKTEN

Das reicht im Moment für den Spitzenplatz

Next stop: Bella Roma

12 in 12 – Das ist Inna

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Das ist Inna. Sie ist Anfang 30, lebt in Moskau und produziert Theaterstücke – nicht für irgendeine Bühne, sondern für das avantgardistische und vom Kreml immer wieder kritisierte Gogol Theater. Inna hat lange, gewellte blonde Haare und immer ein charmantes Lächeln auf den Lippen. Sie strahlt Ruhe und Bescheidenheit aus. Dass sie beim Theater gelandet ist, war nie ihr Plan, erzählt sie uns im Foyer des Gogol Center in perfektem Englisch. Ihre erste Liebe galt dem Film. Innas Eltern hatten im Kino gearbeitet. In diese Welt wollte sie nach Ihrem Journalismus-Studium an der Moscow State University eintauchen. Es kam anders.

Sie erinnert sich noch gut „Es war Winter. Ich war zu spät fürs Theater und musste deshalb in der letzten Reihe Platz nehmen. Da es ein rundes Globe-Theater war, sass ich auf Augenhöhe mit den Bühnenarbeitern, die künstlichen Schnee nach unten rieseln liessen. Das war so schön und ich dachte: Das will ich auch.“ Eine Woche später rief eine Freundin an und bot Inna einen Job im Theater an. „Es war genau dieses Theater. Ich traute meinen Ohren nicht“, erzählt Inna strahlend. „Ich war zwar nicht für den Schnee verantwortlich, sondern für die Pressearbeit.“

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Innas Verhältnis zu Moskau ist eine Hassliebe. Sie ist hier geboren, wohnte mit ihren Eltern in einer schönen stalinistischen Siedlung mitten im Zentrum und kennt in Moskau jede noch so entlegene Ecke. Zwar stellt sie klar, dass das hier ihre Stadt und ihr zu Hause ist. Doch sie nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie erzählt, was ihr gar nicht passt:  „Das einzige, was in Moskau zählt, ist Geld. Immer nur Geld. Die Leute haben kein ‚Art de Vivre‘ und nehmen sich für nichts Zeit. Moskau braucht so viel Energie und saugt einen aus“. Eine angenehmen Stadt zum Leben sei das hier nicht.

Inna  wünscht sich, das sich die Leute mehr Zeit nehmen würden, nur einfach mal sich selbst sein, spazieren gehen und das Leben geniessen. „Wenn ich ehrlich bin, dann bin auch ich etwas so wie die anderen. Denn das ist der einzige Weg, um zu überleben. Das gilt auch fürs Theater“ sagt sie. Inna gehört zu einer neuen Generation von Moskauern, für die vieles möglich ist, die sich nichts gefallen lassen, die sich nicht um Politik und alte Apparatschiks  scheren, die weit gereist sind, mehrere Sprachen sprechen und ihre Freiheit in vollen Zügen geniessen.

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Inna erinnert sich an die neunziger Jahre in Moskau. Eine wilde Zeit. Alles wurde aufgesogen und ausprobiert. Das war Freiheit. „Wenn man sich vergegenwärtigt, dass das Land für 80 Jahre keine richtige Kunstszene besass, dann kann man sich vorstellen, was da plötzlich zum Ausdruck kam.” Wenn sie Moskau heute anschaut, dann wird sie nachdenklich. Sie findet es schade, dass die Leute alle so konform geworden sind und nach den gleichen langweiligen Idealen streben. „Das Leben muss sich verändern, man muss sich weiter entwickeln. Das passiert hier im Moment nicht richtig“ sagt sie.

Als Theaterproduzentin ist Veränderung für Inna Pflicht.  Einer ihrer grossen Erfolge war die Aufführung des Stücks „Maschine Müller“ nach Briefen des Deutschen Autors Heiner Müller – mit 80 Nackten auf der Bühne. Da hatte das Theater erst gar nicht erst versucht, staatliche Unterstützung zu kriegen. Alles wurde mit privaten Sponsoren finanziert. Abend für Abend stellte das Theater vier Sicherheitskräfte an, um darauf vorbereitet zu sein, aufgebrachte Zuschauer zurückzuhalten.

„Im Moment bin ich glücklich hier“ sagt Inna. Sie mag ihre Arbeit und ihr Theater. Dennoch kann sie sich nicht vorstellen, noch viele Jahre hier zu arbeiten. Auch Moskau möchte sie irgendwann hinter sich lassen. Genaue Pläne hat sie keine. Improvisieren ist ihr Lebensmotto. Damit ist sie bisher gut gefahren.

 

 

12 in 12 – Moskau: Doch noch ein kleiner Reiseführer

Ja OK, ich will ja mal nicht so sein. Unsere Zeit in Moskau neigt sich langsam dem Ende entgegen. Dass wir die Stadt lieben, habt ihr ja wohl schon gemerkt.  Wir können nur jedem empfehlen, nach Moskau zu reisen und die grösste Stadt Europas selber zu entdecken. Hier einige unserer Lieblingsrestaurants, die wir vermissen werden und die nicht in jedem Reiseführer stehen:

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Die Brüder Karavaevi sind ein Gastrokonzept, das Starbucks alt aussehen lässt. Gibt es in jedem Quartier und hat alles, was das Herz begehrt. Von russischen Spezialitäten bis zum französischen Gebäck. Da könnte ich den ganzen Tag sitzen. Ich sage nur: Kirschstrudel.

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Warum nicht den ganzen Tag Frühstücken? Das hat sich auch der Besitzer von Cook’kareku gedacht. In diesem coolen Restaurant gibt es Frühstück aus aller Herren Länder. Russland, USA, Thailand, Israel, Armenien, Schweiz! und und und…

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Khachapuri, diese georgische Pizzavariation, ist einfach “to die for”.  Die Auswahl in Moskau ist riesig, doch wir mochten Xachapuria am liebsten. Der mit Spinat, Käse und Ei in der Bootform ist der Hammer.

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Wer die Nase voll hat von osteuropäischen Spezialitäten, der kann zu Cutfish Bistro,  einem Sushi-Restaurant im Trendquartier Patriarchs Pond, in dem das schöne Moskau verkehrt. Die Preise sind dennoch mehr als fair. Der Albacore Tuna Poke sucht seinesgleichen.

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Zu guter letzt noch was für Fast-Food-Liebhaber: Teremok. Die russischen Crepes sind so lecker. Der mit Lachs, Käse und Sour Cream ist ganz klar der Beste. Alles frisch gemacht. Gibt es in ganz Russland  – in Moskau alle paar hundert Meter.

 

12 in 12 – Paradies im Anti-Café

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Die Klingel unter dem Zifferblatt drücken und kurz warten. Jemand meldet sich durch die Gegensprechanlage. Ich sage: “Zifferblatt” und schon geht die Tür auf. Zwei Stockwerke nach oben. Da ist es wieder dieses Schild mit dem Zifferblatt. Wir stossen die Tür auf. Ist das der falsche Eingang? Hier wohnt doch jemand.
„Kommt rein“ ruft eine junge Frau. Das machen wir. Die junge Frau heisst Olya und fragt uns, ob wir was zu trinken wollen.

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img_9545Wir sind hier richtig. Goldrichtig. Das ist es also. Das Original Anti-Café. Das „Ziferblat“ an Moskaus Nobelmeile Tverskaya. Gemütlich ist’s hier.  Das Konzept ist einfach. Du zahlst nach der Zeit, die Du hier verbringst. Kaffee, Tee, Kuchen,  kleine Häppchen und alles was du sonst konsumierst ist umsonst. Die erste Stunde kostet drei Euro, danach zwei und ab Stunde vier ist es ganz umsonst. Hier sollst Du verweilen und dich wohl fühlen.

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Hier kannst Du Dich unterhalten oder ein Buch lesen und wenn es sein muss auch im Netz surfen oder Deinen Laptop aufklappen. Hier verkehren Künstler und Studenten aber auch ganz normale Moskauer, die einfach einen Gang zurückschalten wollen. Hier setzt sich mal einfach einer ans Klavier oder fragt Dich, ob Du Lust auf eine Partie Schach hast. Doch eines ist es hier ganz besonders: Eine Oase der Ruhe in einer Stadt, die den Kapitalismus für sich entdeckt hat. Das offizielle Motto: Im Ziferblat darfst Du alles, solange Du Rücksicht auf Deine Mitbesucher nimmst.

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Mittlerweile gibt es diese Anti-Cafés in Moskau an jeder Ecke. Auch in London und Berlin hat das Konzept Fuss gefasst. Doch keines ist wie das Ziferblat, das der Lebenskünstler Ivan Mitin 2011 gegründet hat. Während andere genau ausrechnen, was die Stunde kosten muss, damit sich die Sache lohnt, ist Mitin noch immer kein Geschäftsmann. Ohne Gönner könnte das Anti-Cafe  nicht überleben. Zum Glück gibt es viele Gleichgesinnte, denen es wichtig ist, dass es nicht nur Starbucks & Co. gibt, sondern auch Freiräume für alle, die kein dickes Portemonnaie haben. Die Welt braucht mehr Zifferblätter…

12 in 12 – So wird die Polizei ausgetrickst

Der Trick mit der CD
Der Trick mit der CD

Was, die CD hat ausgedient? Spotify, Youtube und Co. haben das Zepter übernommen und wenn schon, dann ganz zurück zu Vinyl? Aber bestimmt nicht in Moskau. Da sind CDs total angesagt.

OK, eins nach dem anderen. In Moskau fahren schickere Schlitten rum als in Chelsea. Lamborghini hier, Ferrari da. Heulende Motoren und Geschwindigkeitsrausch mitten in der Stadt. Die siebenspurigen Boulevards laden so richtig zum Rennerfahren ein. Spätestens wenn die Sonne untergeht, dann rasen einem die Boliden hier so richtig um die Ohren.

Doch wer nicht der Sohn eines Oligarchen ist und damit sozusagen eine „get out of jail free card“ im Handschuhfach hat, muss aufpassen, dass er nicht von einer der über 1’000 Kameras erfasst wird.

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Um die Kameras zu überlisten, gibt es einen einfachen Trick: Mit einer CD das hintere Nummernschild teilweise abdecken. Die Kamera versucht dann vergebens, die Identität des Fahrers festzustellen.

Doch ist das nicht illegal? Ja, schon. Das Abdecken der Nummernschilder ist verboten und wenn das ein Polizist bei einem entdeckt, dann gibt es auch einen Strafzettel. Doch der fällige Betrag für das Anbringen einer CD ist Vergleich zur Strafe fürs schnell fahren  so lächerlich tief, dass es sich lohnt, den Trick mit der CD immer und immer wieder anzuwenden.

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P.S. Eine Kostprobe der russischen Autofahrkunst und anderen Schabernacks gefällig? Dann schaut Euch mal (auf eigene Verantwortung) das Twitter Account von Only in Russia an. Stundenlanger Spass garantiert.

12 in 12 – Japanische Invasion in Moskau

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Was hat ein japanischer Getränkeautomat in einer Unterführung in Moskau zu suchen? DyDo steht drauf und alle Getränke sind japanischer Herkunft mit japansicher Beschriftung. Verwirrend. Das ist keine Versehen. In jeder, aber wirklich jeder Unterführung und jeder Metrostation in Moskau stehen bis zu 20 Automaten. Wie bestellt und nicht abgeholt. Auf Hochglanz poliert, in Reih und Glied. Kein Schabernack oder eine Filmkulisse. Sie sind wirklich da. Einsam und allein. In bald vier Wochen Moskau habe ich noch keinen einzigen Russen gesehen, der dort etwas kauft. KEINEN EINZIGEN.

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Die Automaten stehen nicht erst seit gestern da. Die ersten wurden vor zwei Jahren aufgestellt. Der riesige japanische Getränkekonzern DyDo hat mit der Stadt Moskau einen Vertrag abgeschlossen, der ihm erlaubt, 90’000!!! Automaten aufzustellen. Wie viele es bisher sind, ist schwer zu sagen. Doch es dürften mehrere Tausend sein. DyDo ist optimistisch und nach eigener Aussage davon überzeugt, dass Moskau mit seinen 12 Mio. Einwohnern 200’000 dieser Automaten absorbieren kann. Sehr schräg. Soda mit Pfirsichgeschmack, Ingwergetränke und andere japanische Köstlichkeiten sind im Angebot. Passt das zu den Russen?

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DyDo gibt zu Protokoll, der russische Kunde würde die japanische Qualität schätzen und sei gerne bereit, etwas mehr für ein Qualitätsprodukt zu bezahlen. Aha. Das sieht verdammt nach Fokus-Gruppen, Brainstorming in den Managementetagen Tokios und ausgiebigem Market Research aus….Wer sich das nur ausgedacht hat. Doch Moment. Da geht tatsächlich ein etwa 20-jähriger Russe auf den Automaten zu. Genau das Zielpublikum, das sich die Marketingurus wünschen. Er bleibt vor dem Automaten stehen, schaut sich alles genau an und…greift in den Münzauswurf, um zu sehen, ob da Kleingeld liegen geblieben ist. Nichts drin. Na wie könnte da auch was drin sein. Niemand benutzt die Automaten.

12 in 12 – Russische Politik für Dummies

Spoiler Alert: Putins Partei United Russia wird die Wahl am Sonntag gewinnen
Spoiler Alert: Putins Partei United Russia wird die Wahl am Sonntag gewinnen

Am Sonntag sind Parlamentswahlen in Russland. Die ersten seit 2011. 14 Parteien treten an, um sich die 450 Sitze der Duma, wie das Parlament in Russland heisst, untereinander aufzuteilen. Wer erwartet, dass das ein Riesenspektakel ist, der täuscht sich. Kein fleissiges verteilen von Flugblättern, keine Wahlveranstaltungen mit Kampfreden, keine mit Plakaten zugepflasterten Wände. Demokratie in Russland funktioniert eben anders.

Hier und da mal ein kleiner Stand, etwa zwei auf zwei Meter gross, mit einem einzigen Wahlhelfer. Keiner hält an und der Helfer strengt auch nicht gross an, mit den potenziellen Wählern ins Gespräch zu kommen. Weder in den Kneipen von Arbat noch in den Kaffees des Stadtteils Basmanny sind die Wahlen ein Thema. Schulanfang, die Erlebnisse aus den Sommerferien und der vor der Tür stehende Winter sind da viel wichtiger.  Doch warum? Genügend Parteien gibt es ja.

Ein Blick auf die politische Landschaft bringt Licht ins Dunkel. Die Partei von Putin und Medvedev, Einiges Russland, hat bei den letzten Wahlen 49,4% der Stimmen geholt, Gerechtes Russland 13,2% und die Liberal-Demokratische Partei Russlands (LDPR) 11,7%. Die LDPR gilt zwar als Opposition, doch die Tiraden gegen die Regierung sind zahnlos. Bei wichtigen Abstimmungen stützt die Partei jeweils den Kurs des Kremls. Bleibt die Kommunistische Partei Russlands, die 2011 immerhin 19% der Stimmen holte. Doch in Umfragen werden ihr für Sonntag nur 13% prognostiziert. Eine neue Kraft gibt es keine.

Es ist also recht egal, für wen man sein Kreuz macht. Im Endeffekt wird Putin, der sich als Präsident offiziell nicht in den Wahlkampf einmischen darf,  gestärkt aus den Wahlen hervorgehen. Seine Beliebtheitsrate ist ohnehin schon so hoch wie nie. Ach ja – es gibt übrigens noch andere Organisationen in Russland, die gerne an den Wahlen teilgenommen hätten. Elf oppositionelle Parteien wurden mit mehr oder weniger guten Gründen gar nicht erst zugelassen.

12 in 12 – Wo sich wie lebt