Category Archives: Film

Alles zur Welt des Films

12 in 12 – Verstehen, wie schlimm es sein kann

Berlin ist so multikulturell wie keine andere deutsche Stadt. Türken, Kurden und Syrer wohnen hier in Kreuzberg Schulter an Schulter. Im Moment laufen in Berlin im Kino zwei Filme, die das Leben in diesen Ländern in einer Form zeigen, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Bei beiden Werken bin ich bis zum Ende des Abspanns sitzen geblieben, was ich sonst nie mache. Ich möchte Euch diese Filme gerne ans Herz legen.

Insyriated

Philippe Van Leeuws “Insyriated spielt in Damaskus. Schauplatz ist die Wohnung der Familie Yazan. Nur zweimal wagt sich die Kamera in den Hausflur. Sonst bleibt sie in der Wohnung, deren Vorhänge fast immer ganz geschlossen sind.

Hier leben Oum Yazan, ihr Vater, ihr kleiner Sohn und die beiden Töchter im Teenageralter, der Freund der einen ist zu Besuch, das Hausmädchen kann wegen der Bomben nicht nachhause. Ein junges Paar mit Baby, das über ihnen gewohnt hat, ist nach Bombeneinschlägen auch noch eingezogen. Ansonsten ist das Haus leer. Ringsum fallen die Bomben.

Der Alltag ist schwer in der Wohnung. Todesangst ist allgegenwärtig Gewalt lauert um jede Ecke. Da zuzusehen ist ein beklemmendes Gefühl. Man wähnt sich selber in der Wohnung und stellt sich vor, wie man das alles verarbeiten würde. Das Ende der Welt in einer Wohnung in Damaskus. Dass man so nicht leben kann, ist wohl allen klar, die Insyriated gesehen haben.

 

Dil Leyla – Ein Dokumentarfilm

Leyla ist Kurdin, hat ihre Heimat als Kleinkind verlassen  und ist in Deutschland aufgewachsen. Mit 26 trifft Leyla Imret den Entscheid in ihre Heimat Cizre, eine Kurdenhochburg an der türkischen Grenze zu Irak und Syrien zurückzukehren. Sie zieht für die kurdenfreundliche, linksgerichtete HDP ins kommunale Parlament ein und wird zur jüngsten Bürgermeisterin des Landes gewählt.  Voller Hoffnung geht sie ans Werk und lässt Bäume pflanzen und Märkte renovieren. Sie will ihrem Volk, das sich immer nur im Krieg befand, eine bessere Zukunft geben. Bewundernswert. Doch wie das Leben eben so spielt kommt alles anders. Eine wahre, eindrückliche Geschichte.

12 in 12 – Der grosse Blonde mit dem Schwarzen Schuh

 

Einer meiner absolut liebsten Filme aller Zeiten ist Pierre Richards “Der grosse Blonde mit dem Schwarzen Schuh” aus dem Jahr 1972. Ich weiss nicht, wie oft ich den Streifen gesehen habe. Es muss bestimmt ein Dutzend Mal gewesen sein. Das war zu einer Zeit, in der man noch gewartet hat, bis ein Film endlich wieder im Fernsehen gezeigt wurde – und der grosse Blonde wurde oft gezeigt; sehr oft.

So viele Szenen haben sich in meinem Gedächtnis für immer festgesetzt. Wie Pierre Richards bester Freund Maurice  hinter dem Abhörwagen auf seinem Fahrrad herfährt und seine Frau Paulette “Mach mir den Hengst” hören sagt, wie Pierre Richard am Flughafen die Rolltreppe herunterfährt und ungewollt zum Superagenten wird oder wie Mireille Dark, mit ihrem unvergesslichen Kleid, Pierre Richard verführen soll und das dann nicht ganz so läuft wie geplant.

Ihr wisst nicht, wovon ich spreche? Ich spreche von der wohl erfolgreichsten französischen Komödie der siebziger Jahre, die nicht zuletzt durch die von George Zamphir auf der Panflöte gespielte und von Vladimir Costa komponierte Filmmusik eine Legende wurde.

Noch immer nichts? Na dann will ich Euch auf die Sprünge helfen. Der Plot in Kurzform:

François Perrin (Pierre Richard) ist ein hochbegabter, jedoch etwas zerstreuter Geiger, der obendrein ein Verhältnis mit der Frau seines besten Freundes Maurice, Paulette, hat. Als Perrin nach einer Auslandstournee im Flughafen eine Rolltreppe mit zwei unterschiedlichen Schuhen herunterfährt, wird er aufgrund dieses Merkmals von einem Mitarbeiter des Geheimdienstchefs Toulouse auserwählt, unwissentlich einen „gefährlichen Agenten“ zu spielen, um seinen rivalisierenden Stellvertreter Milan auf eine falsche Spur zu führen.

Im Garten des Bürgermeisterhauses des 7.  Arrondissement hatte ich das Vergnügen, den Film diese Woche nochmals zu sehen.. Pierre Richard (mittlerweile 82 Jahre alt) und Vladimir Costa waren eingeladen. Bürgermeisterin Rachida Dati führte durch den Abend. Ich konnte es kaum fassen. Vereint mit dem Held meiner Jugend. Der grosse Blonde mit dem Schwarzen Schuh oder wie er im Original heisst, “Le grand blond avec le chaussure Noir”.  Statt mach mir den Hengst heisst es auf französisch Fais moi le cheval. Doch sonst bleibt alles beim Alten.

Es gibt Filme, die man als Teenager geliebt hat,  20 Jahre nicht mehr sieht und dann überrascht ist, wie man darüber je Lachen konnte.  Der grosse Blonde mit dem Schwarzen Schuh gehört nicht dazu und ist für mich noch immer eine der grössten Komödien aller Zeiten. Den Film hier in Paris im 7. Arrondissement zu sehen, wo er zum grossen Teil auch spielt (das ist der Stadtteil mit dem Eifelturm) ist ein Kindheitstraum, der spät in Erfüllung geht.

Pierre Richard, alias Francois Perrin ist mein Held;  oder um es mit den Worten von Bernard Bier zu sagen: “Ein ganz ausgeschlafener Bursche. Der macht mit uns, was er will”

Ach ja, wusstet ihr übrigens, dass der Film dann 1985 für das amerikanische Kinopublikum nochmals verfilmt wurde und zwar mit keinem geringeren als Tom Hanks in der Hauptrolle und dem Titel The Man with One Red Shoe? Ein fürchterliche Idee und ein fürchterlicher Film. Tom Hanks ist eben nicht Pierre Richard.

Der geniale Trailer (mit der Musik!!!):

Der ganze Film!!

12 in 12 – Der ungewöhnliche Aufstieg der Misty Copeland

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Mit 13  wohnte Misty Copeland mit ihrer Mutter und fünf Geschwistern  in einem schäbigen Motelzimmer auf engstem Raum. Sie hatte noch nie Ballett getanzt, geschweige denn Unterricht genommen.  Das war 1995.

Fast Foward…12 Jahre später.  Misty Copeland steht in der New Yorker Oper im Lincoln Center in Don Quixote auf der Bühne, ist die allererste schwarze Prima Ballerina des American Ballet Theater und schwebt mit ihrer fragilen und dennoch selbstbewussten Grazie wie auf einer Wolke über die Bühne. Damit zieht sich mich und das gesamte Publikum von der ersten Sekunden an in ihren Bann. Als der Vorhang fällt, springe ich begeistert auf und huldige das Genie Namens Misty Copeland mit einer minutenlangen Standing Ovation. Als ich ich umsehe, bemerke ich , dass sie alle stehen. Misty Copeland ist angekommen und zwar ganz oben.

Wie kam es, dass ein Mädchen, das bis sie 13 Jahre alt war, noch nie Ballett getanzt hatte, so eine Karriere hinlegte? In einem Beruf, wo es als zu spät gilt, wenn man mit 6 Jahren in die Ballettstunde kommt, weil Andere schon mit zwei oder drei Jahren angefangen haben.

Misty wollte Kunstturnerin werden. Seit sie klein war, trainierte sie dafür wie eine Wahnsinnige. Schon damals merkte sie, dass sie den Rhythmus im Blut hatte. Schliesslich war ihre Mutter schon eine Tänzerin. Doch in San Pedro, Kalifornien, mit allen Geschwistern in einem Motelzimmer war an Kunstturnen auf hohem Niveau, geschweige denn and  Ballett im Lincoln Center in New York, nicht  zu denken.

In der Schule besuchte Misty das sogenannte Drill Team, in dem eine Art künstlerisches Exerzieren gibt wurde. Ihre Lehrerin Elisabeth Cantine fiel sofort auf, das Misty anders war, als die anderen und  schlug ihr vor, die Ballettschule ihrer Kollegin Elisabeth Kantine zu besuchen. Misty sah Ballett als Ausweg aus der hoffnungslosen Situation zu Hause und begann zu tanzen. Sie war kräftiger als alle andern Schülerinnen, ihr Füsse grösser, ihre Figur weiblicher und ihre Haut dunkler. Dennoch war sie nach kurzer Zeit Klassenbeste und stellte alle in den Schatten.

Doch dann entschied sich Misty”s Mutter in eine andere Stadt zu ziehen und die Ballettschule war zu weit weg. Sie hatte keine Zeit mehr, Misty dort hinzufahren und verbot ihr, Ballett zu tanzen. Der Traum schien ausgeträumt. Doch ihre Ballettlehrerin liess nicht locker. Misty zog bei ihr und ihrem neuen Ehemann kurzerhand ein und verklagte ihre Mutter, die verlangte, dass Misty sofort nach Hause kommen sollte. Nach jahrelangem hin- und her setzte sich Misty durch, sprach daraufhin 15 Jahre nicht mehr mit ihrer Mutter. Ihre Entschlossenheit zahlte sich aus. Im Jahr 2000 schaffte sie das Undenkbare und wurde ins  American Ballett Theater aufgenommen. 2007 avancierte sie zur Solistin und wurde 2015 als erste schwarze Tänzerin zur Prima Ballerina des American Ballett Theater ernannt.

Der Weg dahin war mehr als nur steinig.  Mittlerweile ist Misty Copeland ein Superstar, der nicht nur auf der klassischen Ballettbühne, sondern auch im der Popkultur und dem modernen Tanz eine der ganz Grossen ist. Den Erfolg hat sie verdient. Was ich an diesem Abend im Lincoln Center gespürt habe, als ich Misty Copeland in Don Quixote auf der Bühne sah, werde ich nie mehr vergessen.

Schaut euch an, was Misty kann. Erst traditionell. dann modern:

P.S. Diese Mal sind die Fotos leider nicht von mir.

12 in 12 – An Hamilton kommt keiner vorbei

Ich hatte meine Chance. Als ich vor zwei Jahren auf einen Zwischenstop nach New York kam, gab es in der Stadt nur einThema: Das Hip-Hop-Musical Hamilton, das alle Regeln der modernen Kunst bricht, sie wider zusammensetzt und niemanden aber auch gar niemanden kalt lässt. Eine Freundin, die fürs Public Theater arbeitet, hatte mir ein Ticket organisiert. Dummerweise hatte ich für den gleichen Abend schon Theaterkarten und zwar für Fish in a Bowl mit Seinfeld-Creator Larry David.  Larry konnte ich einfach nicht im Stich lassen und verzichtete auf Hamilton. Ja, ein Fehler, ich weiss…ziemlich ähnlich wie damals 1991, als ich mich für The Wonder Stuff und gegen Nirvana entschieden hatte, als die beide zeitgleich in Boston auftraten (doch das ist eine andere Geschichte).

Zwei Jahre sind vergangen. Seither ist Hamilton die erfolgreichste Broadway-Aufführung aller Zeiten geworden. Karten sind unmöglich zu kriegen und wenn man sie dennoch unbedingt will, dann kosten auf dem Schwarzmarkt noch immer rund 2000 Dollar.

11 Tony-Awards und einen Pulizer-Preis später weiss in Amerika auch das kleinste Kind, wer Alexander Hamilton war.  Er war einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, massgeblich an der Verfassung des Landes beteiligt und der grosse Denker hinter dem modernen amerikanischen Finanzsystem – genau der Stoff aus dem erfolgreiche Musicals geschneidert werden.

Diese Mal hatte ich es schon aufgegeben. Weder die Lotterie, irgendeine Ticket-Website noch andere Quellenhatten zum Erfolg geführt. Kein Ticket für Hamilton. Die allerletzte Chance war das gute alte Anstehen. Ich hatte gehört, dass die Leute jeweils um 7 Uhr Morgens schon vor der Tür stehen, um dann um acht Uhr Abends endlich drin zu sein. Fast zufällig liefen wir um kurz vor fünf Uhr Nachmittags am Theater vorbei. Da gab es in der Tat eine Schlange. Doch mehr als 15 Leutestanden zu diesem Zeitpunkt noch nicht an.

Ich stell mich mal dazu. Der Polizist, der aufpasst, dass niemand einen Schwarzmarkt eröffnet, sagt: “Zwischen sieben und 20 Leute kriegen jeweils ein Ticket. Ihr habt eine Chance.” Neben mir tritt die Kulturkritikerin des Guardian nervös von einem Bein aufs andere. Sie steht auch an. “Ich kenne alle Publizisten und für Shows wie Groundhog Day habe ich beste Karten umsonst bekommen. Doch als ich nach Hamilton-Karten fragte, haben sie mich ausgelacht,” sagt sie.

Ich mache es kurz. Bis kurz vor acht lief gar nichts. Dann etwas Bewegung. Die Studenten, die ganz vorne in der Schlange stehen, verzichten auf die ersten Karten, da sie auf die günstigen Stehplätze warten. Nur noch 4 Wartende vor mir. Es schlägt acht Uhr. “Bitte an die Kasse”, sagt der Aufpasser. Ich gehe nach vorne, halte meine Kreditkarte hin und will gar nicht wissen, wie teuer der Platz ist. “Das ist die letzte Karte” sagt die Kassiererin. Wow. Ich habe das zweifelhafte Vergnügen, kurz vor die Tür zu gehen und die Bad News zu verbreiten. Dann ab in den Saal. Fünfte Reihe mittendrin bei Hamilton.

Vorhang auf:

How does a bastard, orphan, son of a whore and a
Scotsman,
dropped in the middle of a forgotten
Spot in the Caribbean
by providence, impoverished, in squalor
Grow up to be a hero and a scholar?

Lin-Manuel Miranda heisst das Genie, das die Idee hatte, ein Musical aus der Geschichte dieses Immigranten zu machen, die Rollen mit einem bunten ethnischen Mischmasch zu besetzten, einen Ohrwurm nach dem anderen mit reinzuschmeissen und alles im Hip-Hop-Style zu schreiben. In punkto Musical wohl das Beste, was ich je gesehen habe.

Damit ihr einen kleinen Eindruck erhaltet, worum es geht und warum der Hype so unendlich gross ist, hier ein Video aus dem Jahre 2009, Jahre bevor das Musical fertig war im White House in Washington. Bitte, schaut Euch das an – ich flehe euch an. Da werden die Tränen kullern. Niemand wusste damals, wer Lin-Manuel Miranda war, geschweige denn Alexander Hamilton. Jeder, der sagt, Musicals seinen nichts für ihn und er sei viel zu männlich für sowas – wait and see:

 

 

12 in 12 – Comedy of Errors

Es ist kurz nach neun Uhr Abends am Sunset Boulevard mitten in Hollywood. Gleich fängt im legendären Comedy Store die Late Show an. Der Laden ist sowas wie das Wembley Stadion der Stand-Up-Comedians. Seit bald 50 Jahren tritt hier auf, was Rang und Namen hat. Der Comedy Store hat die Karriere von Chevy Chase, Chris Rock, Jerry Seinfeld, Amy Schumer, Martin Lawrence, David Letterman, Eddie Murphy, Robin Williams und vielen anderen lanciert.

Heute Abend stehen gleich 5 Superstars auf dem Programm und das alles für gerade mal 20 Dollar. Margaret Cho, Dane Cook, Kevin Nealon, Mark Maron und Tom Green alle in der selben Show. Ein ganz normaler Abend im Comedy Store. Tom Green? Echt? Das kann doch nicht sein, sagt ihr jetzt bestimmt. Doch, das kann sein. Es ist tatsächlich Tom Green, der Tom Green. Der Tom Green? Der Groschen vielleicht doch nicht gefallen? Dann helfe ich Euch gerne etwas nach.

Ende der neunziger Jahre war Tom Green ein Superstar – auch bei uns. Auf MTV (damals war MTV noch relevant) hatte er die Tom Green Show, in der er lustige Streiche spielte und hier und da mal einen Schritt zu weit ging. Der Vorgänger und das Vorbild von Jackass & Co,  Der Feind aller Eltern und der Held aller Unangepassten…zwischen Peinlichkeit und Genie (keine Ahnung, wie ich mich damals krumm lachen konnte).  Danach heiratete Green kurzerhand die Schauspielerin Drew Barrymore, liess sich nach nur einem Jahr wieder scheiden und war spätestens 2001 seit dem Film “Freddy Got Fingered”….endgültig weg vom Fenster.

Endgültig? Nicht ganz. Da steht er nun wieder auf der Bühne im Comedy Store. 45 Jahre alt, unverheiratet, keine Freundin und keine Kinder. “Ja, ich weiss ich bin alt. Doch dann brauch ich wenigstens keine Angst davor zu haben, dass ich jung sterbe” sagt er, und ich weiss nicht genau, ob ich lachen soll oder nicht.

“Kinder? Dann hab ich schon lieber einen Hund. Wenn ich mit dem Auto aus der Garage fahre und aus Versehen den Hund aus  überfahre, dann sammel ich den Hund einfach auf, stecke ihn in eine Plastiktüte und rein in die Mülltonne. Danach gehe ich wieder zur Tagesordnung über, als ob nichts geschehen ist. Wenn mir das Gleiche mit einem Kind passiert, dann muss ich zumindest ein paar Formulare ausfüllen (then there is paperwork involved)”. Krass findet ihr? Ich finde das lustig…

So ist die amerikanische Stand-Up-Comedy. Immer die Grenzen ausloten. Political correctness wird im Comedy Store vor der Tür gelassen.recht so.

“Vor den Wahlen hatten so viele Amerikaner gesagt: Wenn Trump gewinnt, dann ziehe ich nach Kanada.” Wie habt ihr Euch das eigentlich gedacht? Einfach nach Kanada ziehen? Das ist ein anderes Land!!! Das ist genau so, als ob jemand von Mexiko in die USA zieht. Das geht nicht einfach so. You are the fucking Mexicans now!!!!

Tom Green mag zwar nicht mehr den Madison Square Garden füllen wie Dane Cook, keine Sitcom im TV haben wie Kevin Nealon und Mark Maron. Doch ihm zuzuschauen ist ein Genuss bzw. ein Guilty Pleasure. Im Comedy Store ist die Welt noch in Ordnung. Hier wird zwei Stunden nonstop gelacht. Auf der Bühne stehen Vollprofis, die nicht so peinlich sind wie Möchtegern-Comedians  unserer Breitengrade Bülent Ceylan, Oliver Pocher und Andreas Thiel.

In Los Angeles gibt es Comedy Clubs wie Sand am Meer. Jeden Abend steigen im Comedy Store, der Laugh Factory, im Improv, im Groundlings, im UCB und im Icehouse zwischen 2 und 5 Shows. Jeden Abend. Egal ob alleine oder in der Gruppe. Hier kommt man auf andere Gedanken und manchmal ist das genau das, wonach man sucht.

Ich war übrigens vier Mal in einem Monat im Comedy Store. Eine Neuentdeckung möchte ich Euch nicht vorenthalten. Iliza Schlesinger. Statt erzählen, wie gut sie ist, hier ein Video:

Und hier ein Flashback zur Tom Green Show (ich habe Euch gewarnt):

 

 

12 in 12 – All fear was gone

Ich habe in meinem Leben so einige Vorbilder gehabt. Mache habe ich noch immer. Eines davon ist der Maler und Regisseur David Lynch. Filme wie Blue Velvet, Lost Highway und Wild At Heart haben meine Jugend geprägt und seine Kunst löst bei mir so viele Emotionen aus.  So nahe wie im neuen Dokumentarfilm; David Lynch: The Art Life, der hier in Los Angeles gerade im Kino läuft, war ich ihm jedoch  noch nie.

Ein Zitat des grossen Malers und Regisseurs aus dem magischen Film ist mir besonders geblieben:

“Als ich zum ersten Mal in Los Angeles die Sonne Kaliforniens gesehen habe, hat mich alle Angst verlassen”.

Das war 1970, als er Lynch ein Stipendium am Center for Advanced Film Studies in Los Angeles erhielt und aus dem grauen Philadelphia nach Kalifornien kam. Seither lebt und arbeitet Lynch in Los Angeles.

Es hört sich etwas pathetisch an. Doch genauso wie Lynch geht es mir auch immer, wenn ich in Los Angeles ankomme. Sobald ich die Sonne sehe, verliere ich meine ganze Angst. Es gibt kein schöneres Gefühl, als alle Angst zu verlieren. Das nenne ich dann Freiheit.

12 in 12 – Alles dreht sich um “The Industry”

Ich sitze im Restaurant Pine & Crane in Silverlake, habe meine DanDan Noodles vor mir und sinniere so vor mich hin. Da setzen sich zwei Männer neben mich, wohl beide so Mitte Dreissig, casual angezogen mit T-Shirt und Turnschuhen.

“Beim nächsten Film will ich mich nicht wieder mit Produzenten rumschlagen, die mir dann den ganzen Film editieren”, sagt der Eine. “Aber klar doch, das kann ich verstehen. Das kriegen wir schon hin. Ich will ja nur das Beste für deine Karriere” entgegnet der Andere. Aha, ein Regisseur und sein Agent, denke ich. “Ich brauche meine kreative Freiheit. Sonst kann ich nicht richtig arbeiten. Das musst Du einfach verstehen” stellt der Regisseur klar. “Ich bin ganz deiner Meinung. Absolut. Ich hasse es, wenn man kreative Kompromisse machen muss. Absolut keine Sorge, ich verstehe dich und kreative Freiheit ist das allerwichtigste.” Was für ein Arschkriecher dieser Agent. Ich bin mir sicher, dass er, wenn er mit dem Produzenten spricht, sagt, dass er total versteht, dass er den Schnitt des Films kontrollieren will, denn im Endeffekt sei er ja der Geldgeber und habe damit das Recht, sein Produkt zu kontrollieren und zu formen. Regisseure seien ja so was von schwierig und grosse Divas.

Es ist recht laut im Restaurant und ich kriege nur noch Gesprächsfetzten mit. “Dein letzter Film war einfach wunderbar. Der hat dich in eine ganz andere Liga katapultiert” schnappe ich noch auf und “Du musst dir keine Sorgen machen, ich habe genau das richtige Projekt für dich.” Keine Ahnung, wer die beiden sind. Es könnte sich um Jack Ross handeln, der mit Captain Fantastic für den Oscar nominiert wurde. Es könnte aber auch irgend ein x beliebiger Werbespot-Regisseur sein, der von kreativer Freiheit bei einem Wachmittel-Spot spricht.

Gleicher Tag, anderes Restaurant – Teru Sushi in Studio City. Eine gut aussehende aber nichts sagende Endzwanzigerin mit langen blonden Haaren, die sie zu einem Zopf zusammengebunden hat, sitzt einem mindestens 20 Jahre älteren Typen gegenüber. “All those skinny bitches think they are sooooo pretty. I really don’t get why I didn’t get the part” meckert sie rum. Weil Du sowas von langweilig aussiehst, denke ich und versuche, nicht zu auffällig rüber zuschauen. Doch ihr Sugar Daddy beruhigt sie: ” Honey, you are the prettiest woman in Hollywood – by far – and now let’s have sex.” Den letzten Teil des Satzes hat er nicht gesagt, doch bestimmt gedacht. “You are so sweet – I love you so much” entgegnet sie und setzt dabei ein sowas von falsches Lächeln auf. Die beiden bestellen die Rechnung und er bezahlt. Ich glaube nicht, dass ich Barbie Doll so bald auf der grossen Leinwand sehen werde.

Jeder in Tinseltown ist ja so unheimlich wichtig und erfindet das rad gerade neu. Wer schon nurmal in der Nähe eines Filmsets war,  behauptet in Lalaland von sich, in der Industrie zu arbeiten.

In Los Angeles ist man immer von Hollywood umzingelt. Ob der Superstar beim Kaffee holen oder die Bedienung, die seit Jahren ohne Erfolg versucht, wenigstens mal die Rolle eines Extras zu ergattern, sie sind Teil der “Industry”. Es ist witzig, da von draussen  zuzuschauen und Mäuschen zu spielen. Ein Teil davon möchte ich aber nicht sein.

12 in 12 – Westworld meets Blade Runner

Hattet ihr das auch schon mal, dass ihr durch die Strassen irrt und Euch fragt, ob das wirklich alles gerade passiert oder ob ihr nur träumt? Dass ihr irgendwie auf Wolken schwebt und das Gefühl habt, ihr seid nicht wirklich da, sondern beobachtet alles nur aus der Distanz? Hattet ihr Euch auch schon mal gefragt, was Realität überhaupt ist und ob ihr gerade in der realen Welt lebt?

Genau so fühlt man sich in Tokio; wie in einem Traum oder wie im Film „Westworld meets Blade Runner“. Alles ist irgendwie unwirklich und unverständlich aber perfekt, fast zu perfekt. Auch der Film Truman Show fällt mir dazu ein. Der Zug ist immer auf die Sekunde pünktlich, die Leute sind so hilfsbereit und freundlich als seien sie dazu programmiert, in den Läden ist immer alles so aufgeräumt und schön aufgestellt, dass man sich fragt, wer das immer wieder so herrichtet. So perfekt kann doch niemand sein.

Alles sieht aus, wie eine Filmkulisse. Man weiss nicht, ob hinter der Fassade der Häuser überhaupt irgendjemand wohnt oder ob da einfach Nichts ist. Alles ist sowas von geordnet, und das kommt von jemandem, der im wohl geordnetsten der geordneten Länder aufgewachsen ist – dachte ich zumindest.

Tokio ist fremd und vertraut zugleich. Ein Supermarkt ist auch hier ein Supermarkt und die U-Bahn die U-Bahn. Dennoch ist alles anders. Das liegt meiner Meinung nach nicht nur an den japanischen Schriftzeichen, sondern an der japanischen Kultur, die über hunderte von Jahren gewachsen ist, ohne grosse Einflüsse von Aussen zu haben. Japan als High-tech-Leader hat vieles selber entwickelt und nicht einfach übernommen oder kopiert. Deshalb ist es so wunderschön anders. Realität oder nicht? Westwolrld oder Truman Show? Egal. Mir gefällt es in Tokio. Bis jetzt ist vieles zwar noch Lost in Translation. Doch ich arbeite daran und kann es kaum erwarten, mehr über diese Traumwelt zu erfahren.

12 in 12 – Cinema Farnese – Kapitel 4

Cinema Farnese
Ein Fall für Alfredo Conte

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Kapitel 4

30 Jahre wohnt Roberto Ginelli in der gleichen Wohnung. Er ist bescheiden geblieben. Daran hat auch der grosse Erfolg seines Forno Campo de’ Fiori nichts geändert. Das Mansardenzimmer liegt nur einen Steinwurf von seiner Bäckerei entfernt, an der Vicolo delle Grotte, fünf Stockwerke die steilen Treppen hinauf. Inspektor Alfredo Conte ist ganz ausser Atem, als er oben ankommt. Er muss erstmal tief durchatmen.

Das Klingeln hat Ginelli nicht gehört.  Conte klopft dreimal sanft an der Tür. Ein Schlurfen, ein Schlüsseldrehen und die Tür geht auf. Dunkel war es in der Wohnung von Ginelli. Ein mächtiges durcheinander und zwar nicht das der Sorte geordnetes Chaos, sondern schlimmer. Papierhaufen überall und ein unangenehmer Geruch. Hinter den Stapeln sieht man die Umrisse eines Cheminées. Auf dessen Sims steht schön eingerahmt ein Schwarz-Weissfoto von seiner grossen Liebe Mariella Novelli aus der Schulzeit. Irgendwie traurig anzusehen. Die unerwiderte Liebe. Doch für Sentimentalitäten war jetzt keine Zeit. Das wusste der Inspektor.

„Komm, wir gehen nach draussen“ sagt Ginelli, zieht den Vorhang auf und öffnet die Balkontüre. Wow. Das ist Magie. Vom kleinen Balkon sieht man über die Dächer von Rom, direkt auf die Hügel Trasteveres und die wunderschöne Chiesa San Trinidad del Pellegrini. In der Ferne ist der Petersdom zu sehen. „Giuliano, ich muss ein ernstes Wörtchen mit dir reden“ kommt Conte gleich zur Sache. „Ich habe gehört, du hast Novelli am Abend vor seinem Tod in der Öffentlichkeit bedroht. Du hast zu ihm gesagt, er habe dein Leben zerstört, dich verraten und getäuscht und dafür werde er büssen, schwer büssen.“

Ginelli nickt. Er lässt den Blick Richtung Trastevere schweifen. „Ich habe ihm aber nichts angetan. Das musst du mir glauben, Alfredo, auch wenn ich zugeben muss, dass mich Novellis Tod nicht trifft. Er hat nichts anderes verdient. „Das hat niemand verdient,“ entgegnet Conte und schickt die Frage nach der Beretta hinterher. „Ja, das stimmt. Ich habe eine Beretta. Die ist auch ganz legal angemeldet. Irgendwo hier muss sie sein.” Ginelli macht sich daran, einige der Papierhaufen zur Seite zu schieben. Dann bückt er sich und nimmt einen Teil der Fussleiste ab. Aus dem Geheimfach zieht er eine Schachtel, die er sogleich öffnet. Sie ist leer.

Keine Beretta. Ginelli ist entsetzt. „Ich weiss auch nicht…sie war letzte Woche noch da. Ganz bestimmt. Das kann nicht sein. Niemand wusste, wo ich sie versteckt habe und Besuch hatte ich auch keinen. Ich weiss nicht.” Conte bleibt gelassen und legt Ginelli die Hand auf die Schulter. “OK, wenn du es wirklich nicht weisst, brauchst du dir auch keine Sorgen zu machen. Ich bitte dich trotzdem, die Stadt vorerst nicht zu verlassen. Ich muss da ein paar Sachen klären.

Es sah nicht gut aus für Ginelli. Doch war er tatsächlich in der Lage, jemandem den Revolver an die Schläfe zu legen und  eiskalt abzudrücken?

Zurück auf dem Revier findet Conte einen Zettel auf seinem Schreibtisch. GEHEN SIE ZUM GRUNDBUCHAMT steht dort in grossen Lettern drauf. Hatte das mit dem Mord im Cinema Farnese zu tun? Warum zum Grundbuchamt? Ging es ums Kino, um das Hotel, die Bäckerei oder vielleicht das Theater oder gab es eine weitere Spur, die er bisher noch nicht berücksichtigt hatte? Conte knöpfte sein hellbeiges Hemd zu und machte sich auf den Weg. Draussen fegte der Wind durch die Strassen des Centro Storico. Der Inspektor wollte sich auf keinen Fall erkälten.

Cinema Farnese Kapitel 1
Cinema Farnese Kapitel 2
Cinema Farnese Kapitel 3

12 in 12 – Marcello Geppetti und das Dolce Vita

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Ein Monat in Rom könnte nicht besser beginnen, als mit einer Ausstellung von Marcello Geppetti, einem der der grössten italienischen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Keiner brachte  das Lebensgefühl des Dolce Vita so gut rüber wie der Maestro. Nicht wenige behaupten, er war der erste gute Paparazzi (und damit vielleicht auch der letzte). Ob die Fotos einer furiosen Anita Ekberg,  Sofia Loren im Zwiegespräch mit Vittorio de Sica oder den ersten Kuss zwischen Richard Burton und Elisabeth Taylor: der beste Schnappschuss gelang immer Geppetti. In der Dolce Vita Gallery an der Via Palermo 41 kann man die Fotos in Übergrösse bewundern und ganz tief in die Zeit des grossen italienischen Films eintauchen.

Sophia Loren und Vittoria de Sica
Sofia Loren und Vittorio de Sica

Was war das für eine Zeit. Mit La Dolce Vita von Frederico Fellini begann 1960 der Abschnitt der Grenzüberschreitungen auf der Suche nach neuen Sujets, Formen und Genres. Man begründete den erweiterten Realismus, einen undogmatischen Erzählstil, sowie einen Surrealismus, der Traum und Fantastik wie selbstverständlich in die Darstellung mit einschloss.

Audrey Hepburn in Rom beim einkaufen
Audrey Hepburn in Rom beim einkaufen

Zudem entwickelte sich eine bittere gesellschaftliche Satire. Dazu kamen neue Genres wie der Politthriller und der Italo-Western: ein Jahrzehnt der Aufbrüche in neue Dimensionen. Von Federico Fellini bis Michelangelo Antonioni, von Luchino Visconti bis Pier Paolo Pasolini, von Pietro Germi bis Francesco Rosi, von Sergio Leone bis Bernardo Bertolucci – all das waren grosse Meister ihres Fachs und machten Italien für rund eine Dekade zum Mittelpunkt der Filmwelt – und Geppetti war immer mitten drin.
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Eines der coolsten Bilder von Geppetti ist jenes, in dem ein Priester, der gerade beim turteln mit einer Frau erwischt wurde, dem Paparazzi hinterherläuft und versucht, die Kamera aus der Hand zu reissen, um die Negative sicher zu stellen. Geppetti ist zur Stelle und hält die Situation für die Ewigkeit fest.